Die Zeit vergeht im Flug

… tatsaechlich eher langsam.
Suvarnabhumi “Airport of Smiles” nennt sich eine monstroese Shoppingmall mit angeschlossenen Flugzeugparkplaetzen am Rande Bangkoks. Man wundert sich schon, dass es genuegend Menschen gibt, die sich Wartezeiten nur mit dem Erwerb von Gucchi-Handtaschen vertreiben koennen. Wer das nicht moechte, darf auch als Transitgast den Flughafen verlassen, muss dann aber 22 Dollar Wiedereintrittsgebuehr bezahlen. Weil wir uns das gespart haben, ahenelt unser Eindruck von Thailand in seiner abseitigen Ausschnitthaftigkeit dem, den die unfreiwilligen Insassen des Frankfurter Pendants von Deutschland haben. Beruehrung mit hiesiger Luft haben wir nur fuer eine Minute, als wir vom Bus zur Gangway laufen. Thailand, das ist dieser Erfahrung nach das Gefuehl, von einem fieberkranken Monsterhund freundlich abgeleckt zu werden.
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Bang Bang

Bangkok
Herrje, so viele Menschen. Und was fuer ein Durcheinander! Und doch ein Klima heiterer Gelassenheit, sieht man vom Fatalismus derjenigen ab, die hier ueberall - ueberall - auf dem Boden kauern. Manche schlafen hier sogar! Ein vielsprachiges Gewirr, ausgeknaeuelt von Menschen, die in Kleidung, Habitus und Gestik unterschiedlicher kaum sein koennten. Schwer vorstellbar, dass man hier in gewalttaetige Tumulte ausbrechen kann, und doch konnte man davon schon in den Nachrichten lesen. Und obschon wir von rasender Technologie umgeben sind, dauert es den halben Tag, bis man eine verbindliche Information bekommt. Sinnlos, irgendetwas planen zu wollen, die Dinge aendern sich minuetlich. Der Ort dieser faszinierenden Widersprueche ist, nein, nicht Indien, sondern der Frankfurter Flughafen, wenns mal richtig geschneit hat.
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Im Transitbereich wohnt eine Hundertschaft Gestrandeter, deren Visasituation sie in der Sicherheitszone gefangen haelt. Tag fuer Tag stolpern Touristen an ihnen vorbei. Die Zeit koennen sie sich mit den fuer die Fluggaeste kostenlos bereitliegenden Ausgaben der Financial Times oder Wirtschaftswoche vertreiben. Oder mit der Publikation “Jagd International”, in der Maenner ihre lichten oder grauen Koepfe in die Kamera halten, einen Fuss aufs grad erlegte Grosswild gestuetzt. Ich beobachte einen aelteren Osteuropaeer, der sich das Waidmannsmagazin sorgfaeltig durchsieht, den ganzen Packen greift und sachlich in den naechsten Abfalleimer steckt. Seiner Verachtung verleiht er Ausdruck, indem er die Magazine nicht zum Altpapier adelt, sondern als Restmuell deklariert. Als ich dem Mann fuer seine noble Tat applaudiere, huscht ein schuechterner Stolz ueber sein Gesicht, nur die anderen Fluggaeste, die die Szene nicht beobachtet haben, wundern sich und halten mich fortan fuer wunderlich.
Im Gegensaz zu den mordenden Midlife-Kriselanten der Killerpostille leidet die Lufthansa unter Ladehemmung und zielt vorsichshalber nur grob auf Suedasien. Bang, Bang, Bangkok wird getroffen und nicht Bangalore. Wir aber haben das Schicksal der Transithaeftlinge vor Augen und fuegen uns nach zehnstuendiger Wartezeit, demuetig.

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Scheck lass nach

Da schaut uns die Dame in der Deutschen Bank an, als hätten wir nach Dampfschiff-Aktien gefragt. Gibt’s nicht mehr, den Reisescheck. Der militärisch-finanzindustrielle Komplex hat die Welt flächendeckend mit Geldautomaten bombardiert, und der Schuldschein hat den Schaden. Hoffentlich kommt morgen wenigstens die Kutsche pünktlich.
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