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Halbindien // Dr. Rao und die Russen

Dr. Rao und die Russen

Jedes Jahr kommen viel mehr Menschen durch herabfallende Kokosnuesse ums Leben als durch Angriffe von Haien.
An dem vorhergehenden Satz faellt Folgendes auf:
1. Die Zeitangabe ist ueberfluessig, denn wenn das jedes Jahr so ist, ist es prinzipiell so.
2. Viele Menschen (ich besonders) haben panische Angst vor den Raubfischen, aber keiner fuerchtet die Frucht.
Zu unrecht, wie folgendes Erlebnis zeigt: Mit Geraschel und In-den-Baeumen-Gewurschtel durchquerte eine Horde Rhesus-Affen das Gelaende, auf dem wir einige Tage zu Gast waren. Das erste der Wesen mit dem seidigen, sandfarbenen Fell und den Gesichtern verbitterter Greise hielt eine fussballgrosse Kokosnuss in den Haenden, die es austrank und mit affenartiger Kraft aus 5 Metern Hoehe auf den Gehweg schmetterte. So etwas haette kein russischer Esoteriker ueberlebt.
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Angestellter der Affenmafia

Wieso ausgerechnet russische Esoteriker?
Deshalb:
20 km noerdlich von Mysore betreibt ein freundlicher kleiner Mann mit Schnauzbart eine ayurvedische Kurklinik, das Swaasthya Ayurveda Village. Dieser Mann ist Dr. Rao, und er hat einige Jahre im Sueden Russlands praktiziert, was ihm einen stetigen Strom ehemaliger Sovietbuerger in die 12 Betten leitet, die von ihm und etwa 20 Angestellten inmitten palmengesaeumter Zuckerrohrfelder bewirtschaftet werden. Sie unterziehen sich dort fuer zwei bis drei Wochen streng ayurvedischen Behandlungen, ayurvedischer Kost und klassischem Yoga-Unterricht. Von Russen majorisierte Ferienorte stellt man sich nun gemeinhin nicht so vor, dass man nach dem vegetarischen Abendessen beim Kraeutertee sitzt und einander mit gedaempfter Stimme freundliche Worte mit sch-Lauten zunuschelt. Hier ist es so, und uns hat das gut gefallen.
Als Deutsche und Nicht-Kurgaeste wollten wir unsere Aussenseiterrolle etwas abmildern und nahmen auch selbst Behandlungen in Anspruch. Notfalls haette ich ein Gebrechen erfunden, aber ab 40 hat man ja immer was. Nun muss ich drei Monate lang sehr schmackhafte indische Kraeutertabletten nehmen, die ich leider nur schlucken soll und nicht zerbeissen darf. Mein Nacken wird die milden Haende des indischen Masseurs vermissen.
swaasthya.jpg
Schon der Zugang hat heilsame Wirkung

“Aufgespiesste Spinnen mimten Palmen.” schreibt Marcus Braun in seinem merkwuerdigen Roman “Delhi”. Hier aber sehen die Palmen im Halbdunkel aus wie die Scherenschnitte rasender Windraeder, und hinter dem Haus stuerzen sich Reiher und Kormorane in den fuer indische Begriffe antiseptischen Fluss. Darueber schweben schillernde Libellen. Sie sind so gross wie Motorraeder.

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