Schenken statt schuften

Kushalnagar ist ein ungastlicher Ort, den nur aufsucht, wer Bylakuppe besuchen moechte, eine tibetische Enklave westlich von Mysore. Ein stossdaempferloser Bus liess uns jeden der 120 km ganz im Hier und Jetzt verbringen, wie es der Buddhist so gerne hat. Schon eine halbe Stunde vor Ankunft sahen wir die ersten Werbeplakate fuer das von uns gebuchte Hotel, dem ersten Haus am Platze. Das ‘Kannika International’ ist eines jener Haeuser, die mit grossen Ambitionen starten, um dann schneller zu verwahrlosen als ein DSDS-Sieger nach der Preisverleihung. Der uebermaessige Gebrauch von Raumspray naehrte schnell den Verdacht, dass hier etwas verborgen werden sollte. Um der Fantasie des Lesers Raum zu geben, sei hier lediglich das Badezimmerfenster abgebildet.
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Anstatt die Raeume putzen zu lassen, versuchen die Hoteleigner die Gaeste mit einer Ausgabe der Times Of India zu besaenftigen, die morgens unter der Tuer hindurchgeschoben wird. Nachdem ich das Exemplar entstaubt hatte, konnte ich ihm immerhin einige brauchbare Informationen zu den an Sylvester stattfindenden Regionalwahlen im Bundesstaat Karnataka entnehmen. Einige oekonomisch motivierte Wechselwaehler beklagten sich, dass die Parteien statt bisher 1000 nur noch 250-300 Rupien fuer die Waehlerstimme bezahlen wuerden. Stattdessen bestaechen sie mit billigen Kleidungsartikeln, die sie in den tibetischen Siedlungen Indiens einkaufen wuerden. Neben der Offenherzigkeit, mit der man diesen Vorgang diskutiert, finde ich die Vorstellung verstoerend, dass die Moenche Sweatshops unterhalten, in denen Baseballkappen mit dem Logo der hindunationalistischen Partei bestickt werden.
Fuer Hotel und Parteien gilt: Ist die Kernkompetenz verlumpt, versucht man den Ruf mit billigen Giveaways aufzupolieren. Ob das funktioniert? Ich habe meine Zweifel. Keinen Zweifel habe ich an der Funktionsfaehigkeit der Lichterkette vor dem Balkon unseres Hotelzimmers, auf den wir vor dem kniestigen Raum fliehen wollten. Sie haengt dem Hotelgast in der Sicht und zerflackert ihm das Hirn.
Frueh schlafen gehen und nicht an die Bettwaesche denken.
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Wiedergeburtswunsch Sumpfkrokodil

Heute (das heisst vorvorgestern, ich bin im Rueckstand) haben wir endlich einen Kingfisher gesehen. Diese Voegel gibt es bei uns auch, da heissen sie Eisvoegel und sind viel kleiner als in Indien, wo es seit einigen jahren auch eine gleichnamige Fluggesellschaft gibt. Das waere nicht weiter beunruhigend, hiesse so nicht auch der Marktfuehrer im indischen Bierbusiness. Wer wuerde schon eine Maschine der Reissdorf Air besteigen? Dann lieber auf der Gorch Fock die Seekrankheit mit Beck’s bekaempfen.
Die heilende Kraft des Getreidegetraenks ist im Ayurveda bislang allerdings unbekannt. Bei der Eingangsuntersuchung zu unseren treatments fragte mich der Assistenzarzt nach meinem Alkoholkonsum. Ich erklaerte ihm, dass ich aus indischer Sicht ein Saeufer, fuer deutsche Begriffe ein Duchschnittstrinker und nach russischen Massstaeben ein Abstinenzler waere. Ich erntete einen schwer zu deutenden Blick. Man muss dabei anmerken, dass Staub, Abgase und Zugwind beim Rikschafahren eine empfindsame Reaktion meiner oberen Gesichtspartie bewirkt haben. Ich sehe aus wie ein tibetischer Harald Juhnke.
Dem Kingfisher (dem Tier, nicht dem Bier) begegneten wir im Ranganthittu Bird Sanctuary, wo auch der Mugger lebt, und das offensichtlich gut und gerne. Der Mugger ist die kleinste der hiesigen Krokodilarten: Neben dem bis zu sieben Meter langen, unfreundlichen Salzwasserkrokodil und dem bisweilen sechs Meter erreichenden und absonderlich gebauten Gangesgavial geht der Mugger mit maximal vierhundert Zentimetern fast noch als Eidechse durch. Dennoch ist das kleinste Kroko so gross, dass das groesste Nagetier der Welt in ihn hineinpasst: Das Wasserschwein. Hinterher liegt das Reptil ein halbes Jahr lang auf der faulen Schuppe.
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Mund auf, Augen zu.

Vielen herzlichen Dank fuer die freundlichen Emails und Kommentare zum Blog!

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Dr. Rao und die Russen

Jedes Jahr kommen viel mehr Menschen durch herabfallende Kokosnuesse ums Leben als durch Angriffe von Haien.
An dem vorhergehenden Satz faellt Folgendes auf:
1. Die Zeitangabe ist ueberfluessig, denn wenn das jedes Jahr so ist, ist es prinzipiell so.
2. Viele Menschen (ich besonders) haben panische Angst vor den Raubfischen, aber keiner fuerchtet die Frucht.
Zu unrecht, wie folgendes Erlebnis zeigt: Mit Geraschel und In-den-Baeumen-Gewurschtel durchquerte eine Horde Rhesus-Affen das Gelaende, auf dem wir einige Tage zu Gast waren. Das erste der Wesen mit dem seidigen, sandfarbenen Fell und den Gesichtern verbitterter Greise hielt eine fussballgrosse Kokosnuss in den Haenden, die es austrank und mit affenartiger Kraft aus 5 Metern Hoehe auf den Gehweg schmetterte. So etwas haette kein russischer Esoteriker ueberlebt.
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Angestellter der Affenmafia

Wieso ausgerechnet russische Esoteriker?
Deshalb:
20 km noerdlich von Mysore betreibt ein freundlicher kleiner Mann mit Schnauzbart eine ayurvedische Kurklinik, das Swaasthya Ayurveda Village. Dieser Mann ist Dr. Rao, und er hat einige Jahre im Sueden Russlands praktiziert, was ihm einen stetigen Strom ehemaliger Sovietbuerger in die 12 Betten leitet, die von ihm und etwa 20 Angestellten inmitten palmengesaeumter Zuckerrohrfelder bewirtschaftet werden. Sie unterziehen sich dort fuer zwei bis drei Wochen streng ayurvedischen Behandlungen, ayurvedischer Kost und klassischem Yoga-Unterricht. Von Russen majorisierte Ferienorte stellt man sich nun gemeinhin nicht so vor, dass man nach dem vegetarischen Abendessen beim Kraeutertee sitzt und einander mit gedaempfter Stimme freundliche Worte mit sch-Lauten zunuschelt. Hier ist es so, und uns hat das gut gefallen.
Als Deutsche und Nicht-Kurgaeste wollten wir unsere Aussenseiterrolle etwas abmildern und nahmen auch selbst Behandlungen in Anspruch. Notfalls haette ich ein Gebrechen erfunden, aber ab 40 hat man ja immer was. Nun muss ich drei Monate lang sehr schmackhafte indische Kraeutertabletten nehmen, die ich leider nur schlucken soll und nicht zerbeissen darf. Mein Nacken wird die milden Haende des indischen Masseurs vermissen.
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Schon der Zugang hat heilsame Wirkung

“Aufgespiesste Spinnen mimten Palmen.” schreibt Marcus Braun in seinem merkwuerdigen Roman “Delhi”. Hier aber sehen die Palmen im Halbdunkel aus wie die Scherenschnitte rasender Windraeder, und hinter dem Haus stuerzen sich Reiher und Kormorane in den fuer indische Begriffe antiseptischen Fluss. Darueber schweben schillernde Libellen. Sie sind so gross wie Motorraeder.

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Betuppen erbeten

Manchmal ist das Leben einfacher, wenn man sich uebers Ohr hauen laesst und so tut, als haette man’s nicht bemerkt. Des Neinsagens und Verhandelns muede, haben wir das auf dem beruehmten Devaraja-Markt in Mysore so gehalten.
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Von Touristen angefertigtes Touristenfoto

Teurer Tand schluepfte in unsere Rucksaecke. Man soll eigentlich auch niemals Rickschafahrern nachgeben, die so nen super Laden um die Ecke kennen und einen fuer 20 Pfennig dahin fahren wollen. Aber interessant ist auch, wenn man’s dann eben doch tut. Kostspieliger Kappes fand in unseren Besitz. Ich finde, wenn die Preise nach unserer Lesart laecherlich niedrig sind, darf auch die Schlitzohrenwirtschaft ein bisschen vom Tourismus profitieren, solange sie ihre Dienstleistung freundlich erbringt. Echte Traveller schauen auf Leute mit unserer Denkweise natuerlich herab. Aber was soll man von Menschen erwarten, die mehrere Hundert Mal so reich sind wie die Einwohner der von ihnen bereisten Laender, und die dort dann noch jeden Paisa umdrehen?
Der Erfolg unserer Ermuedungsnaivitaet liess uns nach einem weiteren Erlebnis folgende Richtschnur knuepfen:
Wenn einen ein liebenswuerdiger, gut Englisch sprechender Fremder anspricht, kann man sich ruhig auf ein Gespraech einlassen. Er darf einen auch getrost durch die halbe Stadt auf einen “alten Markt” fuehren. Es ist in Ordnung, von dem Mann einen Tee ausgegeben zu bekommen (wenn man zu zweit ist und das ganze auf einer belebten Strasse im Freien stattfindet). Will er dann in ein dunkles Gebaeude in einer verlotterten Gasse locken, darf man guten Gewissens ablehnen. Man muss dann aber mit der Gewissheit leben, nie zu erfahren, was einen dort erwartet haette…
Erleichtert beguckten wir unsere Einkaeufe im oasengleichen Anokhi Garden. Ausser Yoga-Aficionados trafen wir dort einen Belgier, der schon ueber 60 Mal in Indien war (’Did you com to India to enjoie or to soffeur?’).

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Stille Nacht, heilige Kuh

Es gibt hier viele Menschen, die mit schlimmen Traumata belastet sind, boese Entstellungen im Gesicht oder am ganzen Koerper herumtragen oder einfach nur vom Schicksal gebeutelt wurden. Dass ich mein Leben lang in erstaunte Gesichter schauen muss, wenn ich meinen indischen Migrationshintergrund verrate, gehoert also gewiss zu den Schicksalsschlaegen, die man unter Stelldichnichtsoan verbuchen darf. Auch der Inder wundert sich ueber den unindischen Halbinder. Wenn’s richtig gut laeuft, schaut er mir laengere Zeit ins Gesicht und sagt ‘Yes, your eyes look indian’. Und nach einer weiteren Pause: ‘But the eyes only.’ Irgendwann habe ich einmal einen Halbinder kennengelernt, der indischer aussah als ganz Rajasthan, un der hiess: Thomas Mann.
Auf der Busfahrt von Bangalore nach Mysore haben wir dann doch viele der erwarteten Wiederkaeuer erblicken duerfen, wenn sie in dem kleinen Sichtfenster erschienen, dass zwischen dem auf, neben und unter uns gestapelten Gepaeck noch uebrig geblieben war.

Wir haben uns schliesslich am Abend (dem heiligen) mit einem Dinner im Park Lane Hotel belohnt, was mich zu der Bemerkung veranlasst, dass es sich sowieso schon allein wegen des Essens lohnt, nach Indien zu fahren. Selbst mittelmaessige, fuer hiesige Verhaeltnisse ueberteuerte Laeden wie dieser bieten immer noch sehr leckere und spottbillige Kost. Dagegen gibt es einfache Lokale wie das Indian Coffee House, die einem fuer Centbetraege grosse Kunst servieren.
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Ob es hier ums Essen geht? Man weiss es nicht.

Das Besondere am ‘Park Lane’ ist, dass man auf einer riesigen ueberdachten Terasse sitzt und gemeinsam mit den anderen westlichen und inländischen Touristen von einer klassischen indischen Musikcombo ( Sitar und Tablas) stilecht beschallt wird.
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Die Musik klang dunkel und verwackelt

Den Kellner ruft man durch einen Ruck an der Strippe, die vor der Nase jedes Gastes baumelt wie die Sauerstoffmasken in absturzgeweihten Flugzeugen. Dann leuchtet eine rote Gluehbirne ueber dem Gast auf, und einer der drei Dutzend Kellner stuerzt herbei.

Am Nachbartisch beendete eine deutsche Touristin ihr Handygespraech mit den Worten: ‘Jetzt muss ich mal Schluss machen, mein Suesser wartet schon seit einer Stunde darauf, dass ich aufhoere, zu telefonieren.’ Dabei blickte sie auf den jungen Inder gegenueber, dem sie, kaum hatte sie aufgelegt, offenbarte, sie wuerde sich nun umziehen und bald wieder zurueck sein. Dem kann man sich nur ansschliessen.

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Ja, Nein, Vielleicht, Weiss Nicht

Bangalore
Alles geordnet, die Leute vielleicht ein bisschen ruppig, aber diszipliniert. Der Boden blitzt, die Sicherheitskontrollen werden mit wenigen Worten in kurzer Zeit erledigt, und man hat den Flughafen verlassen, ehe man ‘Om’ sagen kann. Das Land dieser effizienten Fluggastverarbeitung heisst, man ahnt es schon, nicht Deutschland, sondern Indien. Allerdings eine etwas andere Version des Landes als die mir bislang bekannte. Es ist uns gelungen, 24 Stunden in Indien zu verbringen, ohne eine einzige Kuh zu Gesicht zu bekommen. Stattdessen habe ich eine anatomische Theorie entwickelt: Die Evolution hat den Indern anstelle des vierten Halswirbels ein Kugelgelenk beschert, auf dem der Kopf winzige Pendelbewegungen ausfuehren kann, deren genaue Bedeutung ja, nein, vielleicht oder ‘weiss nicht’ lautet. Geschmiert wird das Gelenk mit dem Oelgemisch, das von Autorikschas (in Suedostasien Tuk-Tuk genannt), ausgepustet und mit der Atemluft dem Organismus zugefuehrt wird. Bei Non Resident Indians (NRI, Auslansdsinder) versteift sich das Gelenk nach einiger Zeit aufgrund fehlenden Schmiermittels zu einer lokal begrenzten Mini-Bechterew, und sie verlernen das Wackeln. Daher ruehrt wahrscheinlich der etwas zweifelhafte Ruf, den sie bei den Daheimgebliebenen geniessen.
Mittels der Rikschas kann man schnell und unterhaltsam die Staedte durchpfluegen und in Erfahrung bringen, wie es sich auf den Verkehr auswirkt, wenn seine Teilnehmer glauben, dass sie nach einem Unfalltod umgehend wiedergeboren wuerden wie amoklaufgefaehrdete Counterstrike-Spieler. Zur Beruhigung der Fahrgaeste ist am Armaturenbrett dieser Kabinenroller immer auch die Blutgruppe des Fahrers vermerkt.
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Unser Gasthaus verfuegt ueber ein von Laerm und Geruch unbehelligtes Cafe im Freien. Hier finden sich westliche Individualtouristen ein und strahlen die spezifisch schlechte Laune aus, die Individualtouristen ereilt, wenn sie feststellen, dass sie von ganz vielen anderen Individualtouristen umgeben sind…

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Die Zeit vergeht im Flug

… tatsaechlich eher langsam.
Suvarnabhumi “Airport of Smiles” nennt sich eine monstroese Shoppingmall mit angeschlossenen Flugzeugparkplaetzen am Rande Bangkoks. Man wundert sich schon, dass es genuegend Menschen gibt, die sich Wartezeiten nur mit dem Erwerb von Gucchi-Handtaschen vertreiben koennen. Wer das nicht moechte, darf auch als Transitgast den Flughafen verlassen, muss dann aber 22 Dollar Wiedereintrittsgebuehr bezahlen. Weil wir uns das gespart haben, ahenelt unser Eindruck von Thailand in seiner abseitigen Ausschnitthaftigkeit dem, den die unfreiwilligen Insassen des Frankfurter Pendants von Deutschland haben. Beruehrung mit hiesiger Luft haben wir nur fuer eine Minute, als wir vom Bus zur Gangway laufen. Thailand, das ist dieser Erfahrung nach das Gefuehl, von einem fieberkranken Monsterhund freundlich abgeleckt zu werden.
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Bang Bang

Bangkok
Herrje, so viele Menschen. Und was fuer ein Durcheinander! Und doch ein Klima heiterer Gelassenheit, sieht man vom Fatalismus derjenigen ab, die hier ueberall - ueberall - auf dem Boden kauern. Manche schlafen hier sogar! Ein vielsprachiges Gewirr, ausgeknaeuelt von Menschen, die in Kleidung, Habitus und Gestik unterschiedlicher kaum sein koennten. Schwer vorstellbar, dass man hier in gewalttaetige Tumulte ausbrechen kann, und doch konnte man davon schon in den Nachrichten lesen. Und obschon wir von rasender Technologie umgeben sind, dauert es den halben Tag, bis man eine verbindliche Information bekommt. Sinnlos, irgendetwas planen zu wollen, die Dinge aendern sich minuetlich. Der Ort dieser faszinierenden Widersprueche ist, nein, nicht Indien, sondern der Frankfurter Flughafen, wenns mal richtig geschneit hat.
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Im Transitbereich wohnt eine Hundertschaft Gestrandeter, deren Visasituation sie in der Sicherheitszone gefangen haelt. Tag fuer Tag stolpern Touristen an ihnen vorbei. Die Zeit koennen sie sich mit den fuer die Fluggaeste kostenlos bereitliegenden Ausgaben der Financial Times oder Wirtschaftswoche vertreiben. Oder mit der Publikation “Jagd International”, in der Maenner ihre lichten oder grauen Koepfe in die Kamera halten, einen Fuss aufs grad erlegte Grosswild gestuetzt. Ich beobachte einen aelteren Osteuropaeer, der sich das Waidmannsmagazin sorgfaeltig durchsieht, den ganzen Packen greift und sachlich in den naechsten Abfalleimer steckt. Seiner Verachtung verleiht er Ausdruck, indem er die Magazine nicht zum Altpapier adelt, sondern als Restmuell deklariert. Als ich dem Mann fuer seine noble Tat applaudiere, huscht ein schuechterner Stolz ueber sein Gesicht, nur die anderen Fluggaeste, die die Szene nicht beobachtet haben, wundern sich und halten mich fortan fuer wunderlich.
Im Gegensaz zu den mordenden Midlife-Kriselanten der Killerpostille leidet die Lufthansa unter Ladehemmung und zielt vorsichshalber nur grob auf Suedasien. Bang, Bang, Bangkok wird getroffen und nicht Bangalore. Wir aber haben das Schicksal der Transithaeftlinge vor Augen und fuegen uns nach zehnstuendiger Wartezeit, demuetig.

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Scheck lass nach

Da schaut uns die Dame in der Deutschen Bank an, als hätten wir nach Dampfschiff-Aktien gefragt. Gibt’s nicht mehr, den Reisescheck. Der militärisch-finanzindustrielle Komplex hat die Welt flächendeckend mit Geldautomaten bombardiert, und der Schuldschein hat den Schaden. Hoffentlich kommt morgen wenigstens die Kutsche pünktlich.
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Verben Galore.

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Bald hier, aber nicht von dort.

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